Selbstlernende Organisationen und Führung in Zeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert sowohl das private Umfeld als auch die Rahmenbedingungen für Unternehmen fortlaufend und mit zunehmendem Tempo. Insbesondere Organisationen, deren Struktur und Führungskultur über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind, stehen vor der Herausforderung sich neu ordnen zu müssen. Hierarchien, Autorität und Kontrolle sind Aspekte der Führung, die heute nicht mehr geeignet sind um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Vielmehr haben Führungskräfte nun die Aufgabe, in Zeiten rasanter Technologie-Entwicklungen Orientierung zu geben, die Organisation selbstlernend aufzustellen und Verantwortung an Teams abzugeben.

Digitalisierung erfordert eine neue Art der Führung

 

Führen durch Hierarchien und Beeinflussung nicht mehr zeitgemäß

Mitarbeiter lassen sich grundsätzlich durch hierarchische Machtausübung, Beeinflussung und Reputation führen. Obwohl feststeht, dass die Digitalisierung agile und flache Organisationen erfordert, sind hierarchische Strukturen vielerorts immer noch anzutreffen. In Unternehmen dieser Art werden Faktoren wie "Demut" vor Führungskräften, die Einhaltung von definierten Arbeitszeiten, disziplinierte Aufgabenerfüllung ohne Hinterfragen und wenig Austausch mit dem Kollegenumfeld nach wie vor erwartet. Mag ein autoritärer Führungsstil zu Beginn des Industriezeitalters noch angebracht gewesen sein, so verursacht er in Zeiten der Vierten industriellen Revolution vor allen Dingen Unsicherheit und Angst bei den Mitarbeitern.

Eine gewisse Weiterentwicklung ergab sich durch die Erkenntnis, dass Führung emotionale Intelligenz erfordert. Zahlreiche Unternehmen haben dies erkannt, und versuchen seither, die intelligentesten Mitarbeiter stärker einzubinden. Führungskräfte sind zum Motivator und Coach geworden. Das Ziel ist Beeinflussung im Sinne der Unternehmensziele. Allerdings erreichen Manager mit dieser Vorgehensweise nicht jeden Mitarbeiter. Lässt sich ein kluger Kopf in seinem Denken und Handeln nicht manipulieren, findet schnell eine Rückkehr zum autoritären Stil statt. Führung durch Beeinflussen ist im Zeitalter der Digitalisierung also keinesfalls die Endlösung.

 

Digitalisierung erfordert Führung durch Reputation

Die Digitalisierung hat erheblichen Einfluss auf die Unternehmensumwelt. Geschäftsmodelle neuer, innovativer Wettbewerber können selbst Traditionsunternehmen ins Wanken bringen. Innerhalb kurzer Zeit entstehen völlig neue Märkte, die bis dato undenkbar waren. Diese veränderten Rahmenbedingungen erfordern Agilität von der Organisation und höchste geistige Flexibilität von den Mitarbeitern. Doch auch der Bedarf an zwischenmenschlichem Zusammenhalt steigt. An dieser Stelle kommt Führung durch Reputation ins Spiel.

Beim "Führen durch Reputation" sprechen Führungskräfte Kopf und Herz der Mitarbeiter gleichermaßen an. Manager haben außerdem die Kernaufgabe, den Prozess der Lösungsfindung unter Einbeziehung sämtlicher Beteiligter optimal zu organisieren. Die gefragtesten Kompetenzen sind echtes Interesse und das Stellen hervorragender Fragen. Vertrauen, Ehrlichkeit und Integrität rücken deutlich in den Vordergrund, während Dinge wie Mikromanagement, Misstrauen und Sollerfüllung an Bedeutung verlieren.

 

Organisation muss selbstlernend werden

Damit eine Organisation flach, agil und selbstlernend werden kann, ist ein Verantwortungs- und Vertrauensvorschuss unerlässlich. Entscheidungsgewalt muss an Teams abgegeben werden. Entsprechend ausgestaltete Gruppen stehen ihren Prozessen wesentlich näher und sind in der Lage, Lösungen deutlich schneller herbeizuführen. Manager werden durch diesen Wandel nicht obsolet. Sie gewinnen Freiraum für ihre eigentliche Kernaufgabe: die Definition von Zielen und Visionen. Den Weg zum Ziel finden die fachlich versierten Mitarbeiter durch ihre Kreativität jedoch selbst. Eine offene Fehlerkultur fördert hierbei die Entwicklungsmöglichkeiten und die Zufriedenheit.